Die Methode von Chopin als ein aktives Element in der Klavierlehre von Professor Heinrich Neuhaus.
Teil II.
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Motto II:
"Nach Blumenfeld - von Neuhaus habe ich gelernt mehr
als von allem anderen"
V. Horowitz
Inhalt:
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Wenn vergleicht man die pädagogische
Grundlagen von Chopin und Neuhaus, muß man konstatieren, daß jedoch nicht
alles, was eine Basis in der Methode von Chopin war, auch die Basis in der
Methode von Neuhaus darstellt. Meiner Meinung nach ist es am leichtesten, wenn
man am Anfang den Unterschied zwischen ihrer Einstellung zu Musik, Student und
Methode durchleuchten würde. Am Ende werden wir die Aspekte seiner Lehre
betrachten, die sich ähnelten oder ja sogar identisch waren. Bei diesem
Vergleich muß man vor allem die zwei Faktoren beobachten, die als Ausgangsbasis
in dem Leben der Menschheit existieren. Der erste und wichtigste ist unsere
eigene kreative
Individualität, und der zweite
- die Zeit, als die Epoche, die unsere Lebensmögligkeiten
festlegt; das bedeutet, das auch der Lebenslauf von Künstlern durch
verschiedene objektive sozial Bedürfnisse bestimmt wird.
So, können diese zeitabhängigen
Lebensbedingungen auch Einfluß auf sehr tiefe Elemente der Architektur der musikalische
Form haben. Die Zeit gibt uns auch bekanntermaßen die Möglichkeit konkretes
Wissen zu erhalten, von dem unsere Kenntnisse abhängt. So hängt unsere
Vorstellung des Klavierklanges auch von unserer historischen Erfahrung ab:
Chopin hörte es durch ganz andere Wahrnehmungsfähigkeit als Neuhaus - da ihm
die Musik von Bach und die Lyrik von bel canto als beste Muster waren. Heinrich Neuhaus
hörte der Klang des Klaviers durch die eigene persönliche Bekanntschaft auch
mit der Musik von Szymanowski, Prokofiev und Schostakovitsch - und so war seine Vorstellung über den Klang des Klavieres
zwangläufig ganz anders als die Chopinsche Vision.
Frederik (Fryderyk) Chopin war vor allem Komponist und ebenfalls ein
genialer Pianist und Improvisator, der unter vielen Begleitumständen durch
Klavierunterricht sein Brot verdiente; meistens unter der Elite des
französischen Hochadels und des reichen Bürgertums, die das Klavier als genuß
süchtige Amüsement spielte und es manchmal, vielleicht, als Mittel zum
geistigen Wohlbefinden betrachtete. Für ihn aber es war das eine reale Sache,
er war dabei ein Buch verfassen um seine pädagogische Grundlagen zu erklären.
Da skizzenhaften Abschriften zu diesem Werk haben sich bis in unsere Zeit
erhalten haben, können wir auch die wahre Chopinsche Worte kennenlernen.
Auf mich machte vor allem anderen ihr
unvergleichbar praktische Wert einen großen Eindruck, was hier sehr deutlich
konkretisiert ist:
"In this immensity of sounds we find a region in which the vibrations are more
easily perceptible to us" (J-J. Eigeldinger, Chopin: pianist and teacher as seen by his pupils,
Cambridge University Press, 1986, S. 196).
Heinrich Neuhaus war vor allem ein geborener
Lehrer, der übrigens in die Spitze der akademischen Rangordnung des staatlichen
totalitären Erziehungssystem dieser Zeit gelangte. Eine Virtuose zu werden, war
für junge hochtalentierte Musikern eine der beste Chancen sich unter den
bekannten furchtbaren Umständen selbst zu befreien. Von Natur war er mit
solcher Talent beschenkt worden, daß er nicht nur mit große Liebe und
Freundschaft das bisweilen "rasante" (von der psychologischer Seite
aus betrachtet) Spiel seiner hochtalentierten Studenten von Zeit zu Zeit
überleben konnte, aber auch darüber hinaus die rationale Vernunft in einer
solche Ära behielt, die die Anpassungsfähigkeiten vieler Millionen Menschen
überstieg.
Indem Heinrich Neuhaus auf den Grundlage
einer älteren Übungsmethode, natürlich mit vielen Kommentaren und Zusätzen,
lehrte, die man "langsam und stark" nennen kann, zeigte er doch mehr
und tieferes Verständnis als andere für die normalen Bedürfnisse eines
temperamentvollen Pianistennachwuchses nach musikalischen Schwung.
Von andere Seite sehend - die überreife
Klangempfindlichkeit, die so bezeichnend für die Chopinsche Vision des Klanges
ist, begrenztete seine psychische Dauer, so daß meiner Meinung nach er keine
solche Art des Spiels überleben konnte, das zum Beispiele - typisch für den
jungen Horowitz war. Chopin lehrte in einer Zeit, als man keine Klavierwettbewerbe
organisierte, und als das Konzertrepertoire des Pianisten man keine Prokofievs Toccata
oder Etudes d'execution transcendente von Liszt enthalten mußte. Erst diese Werke haben das Problem der
physischen Kondition als eine der wichtigsten Fragen der Technik des
Klavierspiels geschaffen (natürlich haben
hierzu auch die Etüden von Chopin sehr viel beigetragen).
In diesem Moment ist die Tatsache besonders
interessant, daß Prof. Neuhaus, der selbst zahlreiche Sieger vieler
weltberühmter Klavierwettbewerbe ausgebildet hat, in seiner eigenen Lehrpraxis
gerade die Chopinsche Methode genutzen und weiterentwickelt hat.
Alle Differenzen zwischen beiden groß en
Klavierlehrer - Chopin und Neuhaus, die manchen wie eine richtig
bedeutungsvolle Sache vorkommen, sind im Endeffekt zeitbedingt: die Distanz in
der man diese Unterschied bemerkt, wächst immer mehr und mehr.
Jetzt werden solche Elemente zum Vorschein
kommen, die in den Methoden fast identisch
sind oder sich auf jeden Fall nahestehen.
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Als Fragenkomplex, bei denen die Ansätze von
Neuhaus und Chopin ausdrücklich verschiedene sind, können wir die Psychologie der Energieverwendung bei dem Klavierspiel bestimmen.
Zu den zweiten Fragenkomplexen, die wir als die Technik der Energieanwendung bei dem Klavierspiel definieren können,
sind die Positionen der beiden Meister beinahe identisch. Sowohl Chopin als
Neuhaus vertraten eine im Grunde antiformalistische Grundlage in die Frage der
klaviertechnischen Ausbildung. Die Idee, die beide Meister in die Tat umsetzten, würde ich als
holistische Vorstellung beschreiben, bei der mit starken Akzenten die
Hauptrolle der wirklich kreativen Phantasie und des Gehörs ("In this immensity of sounds we find a
region in which the vibrations are more easily perceptible to us" [ J-J. Eigeldinger, Chopin: pianist and
teacher as seen by his pupils, Cambridge University Press, 1986, S. 196] )
betont wird.
In unserem pädagogischen Fachgebiet vielmals
deutet man diesen Bereich als Sphäre des maximalen
"Mechanisierungsbedarfs". Aufgrund eines solchen Standpunkts läßt man
diese Phantasie automatisch vom Bereich, der zum künstlerischen
Formaufbaugebiet gehört, weg. Chopin nannte diesen Arbeitsstil das Studium der "abstraktive Schwierigkeit" genannt, die seiner Meinung nach nur "die neue Akrobatiksorte" ist (J-J. Eigeldinger, Fryderyk Chopin.
Szkice do metody. MUSICA IAGELLONICA, Kraków 1995, S. 41).
Professor Neuhaus hat in seiner
Kategorisierung der technischen Probleme des Klavierspiels die Frage der
künstlerisch vollwertige Artikulation des einzelnen Tones als erster Punkt
genannt. In seinen eigenen Worten: "Tatsachlich muß sich ein wiß beriger
und forschender Pianist auch für diese Amöbe im Reich des Klavierspiels
interessieren" (Heinrich Neuhaus, Die Kunst des Klavierspiels,
Edition Gerig, 1967, S. 101). Das Problem der möglichtst ausdrucksvollen künstlerische
Aktivität auf jedem pianistischem Arbeitsgebiet, also - auch in der
Klaviertechnik, wurde von ihm aufs höchste betont. Er schrieb selbst:
"Technik kann man nicht im luftleeren Raum schaffen, wie man auch keine
Form ohne Inhalt schaffen kann. Eine solche 'Form' ist gleich Null"
(Heinrich Neuhaus, Die Kunst des Klavierspiels, op.cit., S. 71).
Chopin, denkend in seinen "Skizzen für
der Methode" auf das Problem der allgemeine Definition der Musik, hat eine
beinahe identische Meinung artikuliert: die Musik war zu ihm "Einer Gedanke der bei Klang artikuliert
ist". Wie ein
Kommentar zum vorherige Auffassung klingt seine nächste Anweisung: "Wir nutzen die Töne um die Musik zu
machen, wie wir die Wörter nutzen um eine Sprache zu bauen" (J-J. Eigeldinger, Fryderyk Chopin.
Szkice do metody, op.cit. S. 46-47; die Übers.: W.S.K.).
Manche Generationen der Klavierlehrers las
diese Worte aber erst Professor Heinrich Neuhaus, sowohl in seiner Buch als in
seine pädagogische Arbeit völlig bestätigte, daß die Idea, die in diesen
skizzenhaftigen Äußerungen Chopins enthalten ist, wirklich für die Praxis
geignet ist. Weiter bestätigt er in seiner Arbeit, daß die Praxis, die aufgrund
dieser Idee gewonnen, fruchtbarer ist als irgendeine andere!
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Die von ihm angewendete, pädagogisch sehr
wichtige Übung, beruht auf der faktischen Phantasiearbeit bei der Kreation des
wertvollen einzelnen Tones, und beweist, daß in der Tat seine Gedanken den
selben Weg entlang führten, wie die Gedanken Chopins viele Jahre zuvor. Da ist
es selbstverständlich, daß in der Arbeit über die nächsten Elementen der
Klaviertechnik (Neuhaus spricht von den acht Elementen) man das erste von ihnen
nicht vergessen darf - weil das die Quintessenz der gesamten Neuhaus-Schule
enthält. Sein Begriff der Klaviertechnik ist dem von Chopin ganz nah. Die
Differenz im technischen Bereich, meiner Meinung nach, liegt in der Artikulation: in der Methode von Chopin gibt es die fast
klassische Balance zwischen cantabile und leggiero, die als die zwei grundlegenden
Arbeitsmitteln in Reich der Klaviertechnik interpretiert werden sollten.
Die Methode von Neuhaus beherrscht das
intensive, aktive und ausdrücklich starke canto, als das elementare Arbeitsmittel, das die
Lage gegenüber das Phrase, Form und Instrument bildet. Dieses canto hat
keine Bindung zur irgendwelche Sentimentalität: es bedeutet nur die volle
Konzentration auf die Füllung aller Elemente der aufgebautete musikalische Form
mit möglichst ehrwürdigen musikalischen Inhalt. Wir sollen noch einmal
wiederholen: "Technik kann
man nicht im luftleeren Raum schaffen, wie man auch keine Form ohne Inhalt
schaffen kann. Eine solche Form ist gleich Null" (Heinrich Neuhaus, Die Kunst des
Klavierspiels, Edition Gerig, 1967, S. 101). Um einen solchen Inhalt zu
entdecken (genauer: schaffen) gebrauchte er alle Namen und Symbole, die damit
verbunden sind, worüber am Anfang des dieses Referrates die Rede ist.
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In der Kapitel über die technische
Problematik erwähnt Neuhaus keineswegs den Namen von Breithaupt oder Leimer -
er spricht nur von Chopin wie von dem wahrer Meister, was beweist, daß er die
ganze klaviertechnische Problematik nicht von solchen Standpunkt begriff, der
leider auch in die Gegenwart sehr verbreitet ist. Das heißt - er sah diese
Probleme nicht als reine Mechanik; über die reine Mechanik des Klavierspiels
hat er nur ein paar Sätze geschrieben. Seiner Auffassung nach kann man den
mechanische Anteil des Klavierspiels erklären durch eine Travestation der
zitierten, genialen Idee Chopins: von der unendliche Zahl der möglichen Mitteilungen zwischen den Händen des
Pianisten und der Tastatur, soll man diejenige wählen, die in einer konkreten
Situation die beste Balanz zwischen der Höhe des Falls des befreienden Händegewichts und der
wirklich unbedingten K r a f t der Muskeln, die die Fingern bewegen ergibt.
In dem letzten Endes "die technische
Arbeit" war für ihm bloß die dauerhaftig, faktisch, kein förmlich Suchen
und Genesungen der Instrumentalübermittlungsweisen für in der Phantasie des
Künstlers entstehenden Vision der musikalische Form der interpretenden Musik -
am Anfang: des einzelnes Tönes, Motives, konkreter Phrase, etc., etc.
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Heinrich Neuhaus suchte und fand den Inhalt,
der nach ihm sowohl einer emotionalen als auch intellektuellen (und auch
philosophischen) Aufbau der Musik sei. Für seine Studenten haben diese
"Inhaltsphantasien" eine sehr wichtige Erziehungsrolle gespielt: es waren die Wegezeiger, die von die weiten
und faszinierenden Perspektiven des menschliches Lebens sprachen. Doch schon in dem Vorworten zu der Kunst des
Klavierspiels hat Professor Neuhaus einen Gedanken des namenloses Autors
zitiert: "Den Stil vervollkomnen heiß t den Gedanken vervollkomnen. Wer
damit nicht sofort einverstanden ist, der ist nicht zu retten!".
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Während viele andere, sogar berühmte Klavierlehrer
nach den Idealen der reinen Schönheit und musikalischen Form, wie auch nach der
fehlerlosen Technik und unangestrengten Ausdruckskultur, die manchmal von
jemandem objektivische Interpretation bezeichnet wurde (contradictio in
terminis...), suchten - höllte Neuhaus die Musik nach Schätzen aus; er
immer suchte die faktisch lebende Quelle, die solche Impulse gibt, die die Welt
der Gedanken und Emotionen wirklich bereichern können. Das war eben die
Besonderheit seiner Methode, die hunderte junger pianisten aus aller Welt zu
ihm führte auf der Suche nach der wirklichen musikalischen Erleuchtung.
Für Neuhaus kann man in vollen Umfang die
Worte von Professor J-J. Eigeldinger verwenden, mit denen er Chopin als
Klavierpädagoge beschreibt: "...erscheinte er sich als einen
dialektischer Pragmatiker, der - in Opposition zu dem abstraktiven Erwägungen,
die vielmals in Klavierdidaktik zuteil werden - sich auf die eigene Erfahrung
beruft. In seinem Fall gleicht der Künstler dem Pädagogen - was schon Delacroix
bemerkt hat (Tagebuch, den 7. April 1849), dem zuschreibt man das Postulat: ť
Man muß das Unendliche im Endlichen malenŤ . Die Dialektik Chopins [ und meiner
Meinung nach auch Neuhaus' Dialektik, W.S.K.] wirkt hier anfangen bei der
Endlichkeit und Unendlichkeit und sowohl mit Zielen und Mitteln als mit dem
Schaffen und Ausführungsniveau. Von der idealen Harmonie der beiden Dimensionen
hängt der Erfolg der Pianistenausbildung ab. Das Ziel ist Meisterwerke zu
interpretieren, und die daraus resultierenden Mittel werden nicht dem Charakter
mechanischer Übungen ohne jeglichen künstlerischen Inhalt besitzen, zu dem
solche Übungen übrigens auch nicht führen" (J-J. Eigeldinger, Fryderyk Chopin.
Szkice do metody gry fortepianowej, op. Cit., S. 40).
Professor Neuhaus suchte und fand in seiner Arbeit die Werte, die aus dem Klavierspiel eine Tätigkeit
machte, die auf lange Sicht kein bedeutungsloses Amüsement war. Seine
pädagogische Arbeit hat sowohl den jüngerem als auch älteren Pianisten (und
noch nicht nur den Pianisten) das Gefühl gegeben auf festem und schönem Boden
zu stehen, was immer wieder ein so großer Wert ist, den man wirklich so selten
findet. Gleichartige Gefühle, denke ich, konnten auch die Musikern erleben, die
bei Chopin selbst studierten.
Und, obwohl wir keine Grundlagen haben zu
behaupten, daß Heinrich Neuhaus nur dank seine Chopinkenntnisse die Person ist,
von der wir heute mit groß er Achtung, Bewunderung und Liebe sprechen, so ist
doch unbestreitbar, daß dank seinem aktiven Interresse für Klavierkunst Chopins
im allgemeinen, er diese höchste Meisterschaft schneller und sicherer
erreichte, nach der er wirklich immer strebte.
DANKE!
Special aspects of the piano
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Aktualisierung:
2009-03-02